4. Internationaler Holz[Bau]Physik-Kongress ...
... am 18. und 19. April 2013 in Mondsee (Österreich)
Nach nun 3 erfolgreichen Kongressen in Deutschland, wird der 4. Internationale Holz[Bau]Physik Kongress von der Holzforschung Austria in Mondsee, Österreich ausgerichtet.
RÜCKBLICK:
3. Internationaler Holz[Bau]Physik-Kongress stellt wichtige Details in den Fokus
Der 3. Internationale Holz[Bau]Physik-Kongress „Wärme Brand Schall“ am 08. und 09. März in Leipzig bot neueste Erkenntnissen aus Holzbau und der Bauphysik und gab erneut wichtige Antworten auf aktuelle baupraktische Herausforderungen. Mit über 275 Teilnehmenden war der vom Arbeitskreis Ökologischer Holzbau e.V. (AKÖH), dem Deutschem Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV) und vielen Partnern aus Forschung und Wirtschaft veranstaltete Kongress ein großer Erfolg.
Das Themenspektrum erstreckte sich von der energetischen Gebäudesanierung mit außen- und innenseitiger Dämmung über Maßnahmen für ein angenehmes sommerliches Komfortklima bis zu konstruktiven Lösungen für den Brand- und Schallschutz im Holzbau. Für das anspruchsvolle Vortragsprogramm hatten die Veranstalter erneut 17 namhafte Referenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Leipzig versammelt.
Wärmeschutz im Bestand
Die Holzfassade als wärmender Maßanzug für die Massivbauten vergangener Jahrzehnte, das war zunächst das Thema von Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter (TU München). So bieten dreidimensionale Vermessungsverfahren, wie 3D-Laserscanning und Photogrammetrie, heute die Möglichkeit, die äußere Gebäudegeometrie sehr exakt und wirtschaftlich zu erfassen. Die auf dieser Datengrundlage erfolgte werkseitige Vorfertigung der Holztafelbauelemente gewährleistet eine passgenaue und zügige Montage der neuen, bauphysikalisch einwandfreien Gebäudehülle.
Doch nicht nur in Leipzig gibt es viele Häuser, beispielsweise aus der Gründerzeit, deren historische Fassaden zu erhalten sind und daher nur innen gedämmt werden können. Wie Robert Borsch-Laaks (Büro für Bauphysik, Aachen) deutlich machen konnte, lassen sich die bauphysikalischen Einflüsse von Innendämmungen gut berechnen. Bei der Wahl des richtigen Innendämmsystems und des richtigen Außenputzes zum Schlagregenschutz, braucht kein schädliches Auffeuchten der Wandkonstruktion befürchtet zu werden. Der Referent stellte sowohl individuelle Lösungen als auch Regelkonstruktionen vor, die sicher funktionieren.
Um eine Planungssicherheit bei der Anwendung von Innendämmungen zu ermöglichen, bedarf es allerdings zunächst detaillierter Materialdaten, wie etwa die kapillare Leitfähigkeit der eingesetzten Dämmmaterialien. Dr.-Ing. Hartwig M. Künzel (Fraunhofer IBP) stellte die Ergebnisse seiner Untersuchungen vor.
Dipl.-Ing. Daniel Kehl (Büro für Holzbau und Bauphysik, Leipzig) wiederum hat sich eingehend mit den vom Mauerwerk umschlossenen Holzbalkenköpfen beschäftigt und die Gründe für eine Schädigung durch Feuchte untersucht. Die aus verschiedenen Messprojekten zusammengetragenen Ergebnisse führten zu der Erkenntnis, dass in vielen Fällen ein fehlender Schlagregenschutz für eine zu hohe Feuchte innerhalb der Wand verantwortlich ist und so zur Zerstörung von Holzbalkenköpfen führt.
Dipl.-Ing. Paul Simons (BlowerDoor GmbH, Springe) berichtete von messtechnischen Langzeituntersuchungen an Fachwerkgebäuden in Nord- und Mitteldeutschland. Die Ergebnisse zeigten, dass Innendämmungsverfahren gewählt werden sollten, bei denen möglichst wenig Feuchtigkeit in die Konstruktion eingebracht wird, welche nur über sehr lange Zeiträume wieder austrocknen kann. Auf der Außenseite wiederum sollten die Gefachmaterialien den Schlagregen aufsaugen können, damit sich das Wasser nicht in den Fugen zwischen Gefach und Schwelle bzw. Riegel konzentriert.
Komfort im Sommer
Dipl.-Ing. Winfried Seidinger (Lemon Consult, Zürich) referierte zu dem Thema „Sommerliches Komfortklima im Holzbau“. Gestützt auf die Ergebnisse eines umfangreichen Messprojektes von acht bewohnten Holzhäusern in der Schweiz bescheinigte der Referent modernen Holzhäusern ein sehr angenehmes Raumklima. Entscheidenden positiven Einfluss hat der Nutzer selbst, indem er für eine ausreichende und rechtzeitige Verschattung und Lüftung der Räume sorgt.
Brandschutz
Im Themenblock Brandschutz präsentierten Hanspeter Kolb (Berner Fachhochschule – AHB, Biel) und Dipl.-Ing. Reinhard Wiederkehr (Holzbau-Ingenieurbüro Makiol + Wiederkehr) eindrucksvolle gebaute mehrgeschossige Holzbauten bis sieben Geschosse in der Schweiz. Auf Basis eines umfangreichen Forschungsvorhabens und in enger Kooperation mit den kantonalen Feuerversicherungen sind im Laufe der letzten Jahre überzeugende Brandschutzkonzepte entwickelt worden, mit denen sich auch Mehrgeschosser in Holz architektonisch anspruchsvoll und wirtschaftlich umsetzen lassen.
Dipl.-Ing. René Stein (TU München) und DI Dr. Martin Teibinger (Holzforschung Austria, Wien) zeigten in ihren anschließenden Referaten die Wichtigkeit einer brandschutzsicheren Detailausbildung im Holzbau auf. So sind insbesondere verdeckt und schwer zugänglich liegende Details, wie etwa haustechnische Installationen und Knotenpunkte zwischen Wand und Decke, auf geeignete und sehr sorgfältige Weise auszuführen, um eine unvorhergesehene und unkontrollierte Brandausbreitung ausschließen zu können.
Schallschutz
Dr.-Ing. Andreas Rabold (ift Rosenheim) präsentierte im ersten Vortrag zum Schallschutz unterschiedliche Lösungen zur schallschutztechnischen Ertüchtigung von Holzbalkendecken im Wohnungsbestand. Er stellte ein Prognosewerkzeug vor, mit dem sich das Potenzial unterschiedlicher Schallschutz-Maßnahmen bestimmen lässt. Dr. rer. nat. Jürgen Maack (ITA, Wiesbaden) machte im Anschluss auf die Notwendigkeit konstruktiver Maßnahmen zur Dämpfung tieffrequenter Schallwellen aufmerksam. Dipl.-Ing. Ernst-Ulrich Köhnke (Ingenieurbüro E.U. Köhnke GmbH, Uelsen) zeigte anhand zahlreicher Beispiele auf, wie sich typische Einbaufehler auf den Schallschutz auswirken und wie diese zu vermeiden sind.
Jeder der genannten Themenblöcke wurde durch spannende Podiumsdiskussionen ergänzt, die den Teilnehmenden die Möglichkeit boten, konkrete Nachfragen direkt und kompetent beantwortet zu bekommen.
Der 4. Internationale Holz[Bau]Physik-Kongress wird am 18. und 19. April 2013 in Mondsee (Österreich) von der Holzforschung Austria ausgerichtet. Die Sammlung interessanter Themen hat bereits auf der diesjährigen Veranstaltung mit den Anregungen der Teilnehmenden begonnen und so werden auch im Frühjahr 2013 wieder renommierte Referenten neueste bauphysikalische Erkenntnisse für die praktische Anwendung aufbereitet haben.
Robert Borsch-Laaks
Daniel Kehl
Richard Adriaans
Arbeitskreis Ökologischer Holzbau e.V. (AKÖH), Herford
Im Jahr 1994 hatten sich Holzbaubetriebe, Architekten, Ingenieure, Bauphysiker und Hersteller von Baustoffen im AKÖH mit dem Ziel zusammengeschlossen, den ökologischen Holzbau zu fördern und ein multidisziplinäres Netzwerk aller am Holzbau beteiligten Gruppen zu etablieren. Alle Mitglieder arbeiten nach den einheitlichen Ökologie- und Qualitäts-Kriterien des Arbeitskreises. Deren Kompetenz wird gezielt über Fortbildungen und Fachkongresse erweitert. Nachdem Ende 2009 AKÖH, DFV und QHA ihre Arbeit im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV) gebündelt haben und mittlerweile darin aufgegangen sind, bleibt der Arbeitskreis ökologischer Holzbau im DHV e.V. der Motor der Schwerpunktthemen Ökologie & Gesundheitsschutz.
www.akoeh.de, www.d-h-v.de